Zum Entsetzen der Weinheimer SPD erklärt sich der amtierende Oberbürgermeister Heiner Bernhard (SPD) zum überparteilichen Kandidaten. Gleichzeitig findet es die Vorsitzende der Weinheimer SPD befremdlich, dass die CDU keine Wahlempfehlung abgibt. Heiner Bernhard möchte die nächsten acht Jahre der Oberbürgermeister aller Weinheimer sein. Wenn diese Aussage ernst gemeint ist, sollte er sie untermauern, indem er das hochsensible Thema „Wendeltreppe im Minarett“ im Gemeinderat zur Diskussion stellt.
Trotz seiner anfänglichen Aussage und auch der des 1. Bürgermeisters Dr. Torsten Fetzner, den Rückbau der Wendeltreppe zu fordern, sanktioniert er im „stillen Kämmerlein“ schon einmal vorab diese Wendeltreppe. Laut Landesbauordnung ist er sogar dazu berechtigt, da bauordnungsrechtliche Angelegenheiten nicht der Bearbeitung und der Zustimmung des ATU bzw. des Gemeinderats bedürfen. Aber inkonsequenterweise hatte in dieser Problematik der „Koordinierungskreis Integration“ auf einmal federführend gehandelt.
Wenn es einen „runden Tisch“ in dieser Angelegenheit geben soll, dann steht dieser im Rathaus und hat den Namen „Gemeinderat“. Der amtierende Oberbürgermeister sollte seine Pflicht gegenüber allen Weinheimer Bürgerinnen und Bürgern nachkommen und die Diskussion hierüber im Gemeinderat zulassen. Erst dann ist er ein überparteilicher OB-Kandidat. Der Kandidat könnte nicht nur über die Wahlbeteiligung jammern, sondern vielleicht auch über die vielen neuen Gegenkandidaten.
„Erstaunt, aber gelassen“ reagierte die GAL Weinheim auf die Vorwürfe der CDU zum Thema Contracting. „Erstaunt“ kann die CDU Weinheim gut nachvollziehen, schließlich haben wir der GAL den Spiegel vorgehalten. „Gelassen“ trifft es wohl eher nicht. Denn wie sonst ist das reflexhafte Reagieren der GAL noch am selben Tag zu verstehen?
Die in der Pressemitteilung der GAL vorgetragenen Argumente sind dann auch mehr polemisch als sachorientiert. Im Gegensatz zur GAL hat sich die CDU Weinheim an den einstimmigen Beschluss der Haushaltstrukturkommission gehalten, die vorgebrachten Vorschläge nicht in der Öffentlichkeit zu diskutieren. Dies war verabschiedet worden, um Verunsicherungen zu vermeiden, bevor das vollständige Konzept entwickelt wurde. Im Gegensatz zur GAL, die erst jetzt einen Gesprächstermin mit dem Stadtkämmerer anregt, hat die CDU Weinheim bereits am 30. Januar ausführlich mit Jörg Soballa über die Haushaltssituation gesprochen. Im Gegensatz zur GAL hat die CDU Weinheim keine Polemik in der Öffentlichkeit betrieben, sondern sachliche Vorschläge innerhalb der Kommission vorgebracht.
Die CDU Weinheim kritisiert auch nicht das Energie-Contracting im Allgemeinen. Doch nur weil andere Kommunen bereits Contracting machen, bedeutet es nicht, dass wir es auch machen müssen, machen sollten und schon gar nicht, dass wir es auch dürfen. Eine Risikoabsicherung, wie von der GAL vollmundig vorgeschlagen, würde die Kosten nochmals erheblich steigern. Viele schlechte Vorschläge ergeben eben noch keinen guten.
Die mediale Überpräsenz der GAL Weinheim und ihres Multimandatsträgers Sckerl lässt vermuten, dass den drei Mandatstiteln noch der gefühlte Titel eines Oberbürgermeisterkandidaten hinzugefügt werden soll. Hier hat die GAL wahrhaftig die Zeichen der Zeit erkannt, je näher der Termin der Oberbürgermeisterwahl rückt.